Du arbeitest als Physiotherapeut / Physiotherapeutin oder Podologe / Podologin und bist auf den Begriff des sektoralen Heilpraktikers gestoßen? Der sektorale Heilpraktiker verspricht genau diesen Berufsgruppen mehr Freiheit in der Berufsausübung. Ist das wirklich so? Für wen ist der sektorale Heilpraktiker geeignet und macht es vielleicht sogar Sinn die „große“ Heilpraktiker Prüfung abzulegen? Genau das schauen wir uns in diesem Artikel an.
Sektoraler Heilpraktiker – Was ist das eigentlich?
Der sektorale Heilpraktiker ist eine Art Zusatzqualifikation für bestimmte Berufsgruppen. Genauer gesagt gibt es drei sektorale Heilpraktiker_
- den sektoralen Heilpraktiker für Physiotherapie
- den sektoralen Heilpraktiker für Psychotherapie
- und den sektoralen Heilpraktiker für Podologie (nicht in allen Bundesländern)
Grundsätzlich davon abzugrenzen ist der „normale“ Heilpraktiker.
Aber was bedeutet denn in diesem Fall sektoral? Sektoral heißt, dass die Diagnose und Behandlung von Erkrankungen nur in einem eng abgesteckten Gebiet erlaubt ist. Beim sektoralen Heilpraktiker für Physiotherapie ist dies entsprechend die Physiotherapie. Beim sektoralen Heilpraktiker für Psychotherapie natürlich die Psychotherapie und beim sektoralen Heilpraktiker für Podologie beschränkt sich die Heilerlaubnis auf das Gebiet der Podologie.
Der Heilpraktiker unterliegt diesen Einschränkungen nicht.
Was darf ich als sektoraler Heilpraktiker?
Erhältst du die Zulassung als sektoraler Heilpraktiker, darfst du künftig eigenständig Patienten behandeln. Heißt: Du brauchst dafür keine Überweisung oder Verordnung vom Arzt. Du darfst selber Diagnosen stellen und entsprechend Behandlungen einleiten. Deine Patienten können sich also den Weg zum Arzt sparen. Aber: Nur wenige Krankenkassen erstatten hier die Kosten. Die meisten Patienten müssen selber zahlen.
Aber nochmal: Das alles gilt nur für die Verfahren und Krankheitsbilder, die in den entsprechenden Bereich Physiotherapie, Psychologie oder Podologie fallen.
Was darf ich als sektoraler Heilpraktiker nicht?
Alles, was nicht in dein Gebiet fällt. Genauer gesagt: Du darfst als sektoraler Heilpraktiker für Physiotherapie nur die Verfahren anwenden, die dem Berufsbild des Physiotherapeuten im Ausbildungskatalog zugewiesen sind. Also zum Beispiel die Lymphdrainage, Krankengymnastik oder manuelle Therapie. Dazu gehören nicht (!) die Osteopathie oder auch die Phytotherapie. Du darfst deinen Patienten also nicht osteopathisch behandeln oder ihm eine pflanzliche Salbe bei einer Schwellung empfehlen.
Als sektoraler Heilpraktiker für Psychotherapie kannst du mit deinem Patienten eine Gesprächstherapie machen, du darfst ihm aber zum Beispiel kein beruhigendes pflanzliches Mittel verordnen.
Auch als sektoraler Heilpraktiker für Podologie bist du beschränkt auf die Podologie. Dein Patient hat offensichtlich eine Hauterkrankung am Bein? Nicht dein Business. Genau hier ist einer der Nachteile des sektoralen Heilpraktikers. Darauf gehen wir aber später nochmal genauer ein.
Wie werde ich sektoraler Heilpraktiker?
Voraussetzungen für den sektoralen Heilpraktiker für Physiotherapie
Du kannst die Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde, beschränkt auf den Bereich der Physiotherapie nur dann erlangen, wenn du die Erlaubnis zum Führen der Berufsbezeichnung Physiotherapeut/in nach § 1 Abs. 1 Nr. 2 des MPhG besitzt.
Du musst zusätzlich zu den Voraussetzungen zur Heilpraktikerprüfung (siehe unseren Artikel „Heilpraktiker Ausbildung im Überblick„) folgendes nachweisen können:
- eine 4-jährige Berufszeit (mit durchschnittlich mindestens 30 Stunden Wochenarbeitszeit)
- Fort- und Weiterbildungen, absolvierte Studiengänge oder Ausbildungsabschlüsse in den Bereichen Differentialdiagnostik und Berufs- und Gesetzeskunde
In den meisten Bundesländern erhältst du dann nach Antragstellung und Prüfung der Aktenlage die Facherlaubnis für den Bereich der Physiotherapie. Reichen die eingereichten Unterlagen nicht aus, kann es sein, dass du zur schriftlichen und/oder mündlichen Prüfung antreten musst oder dass dein Antrag abgelehnt wird.
Voraussetzungen für den sektoralen Heilpraktiker für Podologie
Achtung: Nicht alle Bundesländer sind hier dabei. Neben den normalen Anforderungen an den Heilpraktiker musst du hier natürlich auch eine Berufsausbildung als Podologe / Podologin vorweisen können. Ebenso wie beim sektoralen Heilpraktiker für Physiotherapie ist hier eine 4-jährige Berufstätigkeit nachzuweisen. Ebenso musst du (je nach Gesundheitsamt) eine mindestens 40-stündige Zusatzqualifikation mit abschließender schriftlicher Überprüfung nachweisen können. Dann wird genau wie beim sektoralen Heilpraktiker für Physiotherapie nach Aktenlage entschieden.
Voraussetzungen für den sektoralen Heilpraktiker für Psychotherapie
Ja, auch der „kleine“ Heilpraktiker, der Heilpraktiker für Psychotherapie ist ein sektoraler Heilpraktiker. Die Erlaubnis ist hier beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie. Die Behandlung körperlicher Erkrankungen ist nicht erlaubt. Auch die Anwendung von Arzneimitteln ist nicht gestattet. Ausnahme: Einige Bundesländer erlauben die Verordnung von Homöopathika.
Wenn du Heilpraktiker für Psychotherapie werden möchtest, musst du ebenso wie beim „großen“ Heilpraktiker eine anspruchsvolle schriftliche und mündliche Prüfung bestehen. Die Voraussetzungen sind auch hier gleich (mind. 25 Jahre, sauberes Führungszeugnis, gesundheitliche Eignung).
Vorteile des sektoralen Heilpraktikers
Wenn du deine Qualifikation um den sektoralen Heilpraktiker erweiterst, kannst du freier und selbstständiger arbeiten. Du bist nicht mehr auf die ärztliche Verordnung angewiesen. Das erspart deinen Patienten Arztbesuche und damit auch mögliche Wartezeiten.
Nachteile des sektoralen Heilpraktikers
An der Art, wie du deine Patienten behandeln darfst, ändert sich nichts. Du darfst durch die Zulassung keine zusätzlichen Therapieverfahren anbieten oder andere Erkrankungen behandeln, als du es bisher getan hast. Für dich kein Problem? Dann kann der sektorale Heilpraktiker für dich eine Bereicherung sein.
Du möchtest aber deine Patienten umfassender behandeln? Vielleicht weißt du, dass Akupunktur bei den Schmerzen deines Patienten hilfreich sein könnte? Dann reicht dir die sektorale Heilerlaubnis nicht. Das gilt übrigens auch für die Osteopathie. Als Physiotherapeut darfst du nicht osteopathisch arbeiten, außer du hast eine ärztliche Verordnung genau dafür erhalten.
Auch als sektoraler Heilpraktiker für Psychotherapie bist du in deiner Behandlung eingeschränkt. Deine Patientin kommt wegen Spannungskopfschmerzen zu dir? Du kannst gerne mit ihr Entspannungsübungen zur Stresslinderung erarbeiten. Du darfst aber keine Hypnose gegen die Kopfschmerzen anbieten!
Überlege dir also genau, welche Freiheiten du in deiner Arbeit haben möchtest. Reicht dir die sektorale Heilerlaubnis oder möchtest du deine Patienten umfassend und ganzheitlich als Heilpraktiker behandeln?
Noch Fragen?
Bist du dir hier unsicher, kannst du jederzeit ein kostenfreies Infogespräch mit Thorben von EIRA vereinbaren.

